Tiergeschichten

Ich wurde ausgesetzt
Ich bin ein kleiner Hund. Ich war obdachlos. Mein lautes, klagendes Gebell klang durch die Nacht. Man hat mich auf einem Autobahnrastplatz gefunden. Ich wurde einfach im Stich gelassen von meinem Herrchen! Ich, der meinem Besitzer treu zur Seite stand, allein gelassen. Mein Bellen wurde immer schwächer, ich hatte Hunger und Durst, aber es war niemand da, der mir etwas gab. Mein Hundeleben hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon aufgegeben. Und dann kam die Rettung. Männer in orangeschwarzer Kleidung standen auf einmal vor mir. Sie waren von der Feuerwehr, wobei einer der Männer immer sagte, braver Hund, braver Hund. Ich glaube, der hatte ganz schön Respekt vor mir.
Aber ich bin sowieso schon zu schwach gewesen, um Gegenwehr zu zeigen. Plötzlich packten mich zwei riesengroße Hände und legten mir eine Leine ans Halsband. Man schob mich in einen großen roten Wagen. So war ich für kurze Zeit hinter Gittern. Meine traurigen Augen blickten durch die Stäbe und meine Gedanken waren: “ Was wollen die von mir? Sind es vielleicht gute Menschen, die mir helfen wollen?“ Mein Hundeherz fing an zu pochen. Dann fing auch noch das große Ding an zu fahren, aber ich wusste nicht wohin. In den Kurven wurde mir schlecht, und auf meinen schwachen Hundebeinen konnte ich kaum noch stehen. Ich rutschte in dieser Situation auf meinem Hundepopo hin und her. Endlich wurde die Fahrt immer langsamer, und es wurde plötzlich ganz still. Ich vernahm Stimmengewirr, und schon öffnete sich eine kleine Türe, und die Sonnenstrahlen blitzen mir in die Augen. Meine ersten Hundegedanken waren, wo bin ich und was geschieht jetzt mit mir? Meine Hundenase nahm Gerüche wahr, die mir sagten, hier muss es noch mehr meiner Artgenossen geben. Nun, ich wartete die Dinge ab! Oh, ein kleines Bäumchen. Ich konnte nach der langen Fahrt endlich mein Haxerl heben und markierte gleich diesen mir so fremden Bereich. Vor mir war ein großes gelbes Gebäude, das die Menschen ‚Tierheim‘ nennen. Eine etwas seltsam gekleidete Frau in weiß nahm sich meiner an. Sie führte mich in einen Raum, wo ich auf den Tisch gelegt wurde. Von allen Seiten wurde ich betrachtet. Ohren und Maul untersucht, und dann kam sie mit so einem komischen Gerät, das sie mir ins Hinterteil stach. Sie nannte es Impfung. Dann gings ab in einen Raum, wo ich mit lautem klagendem Gebell und traurigem Gewinsel empfangen wurde. Mit guten und beruhigenden Worten sperrte man mich in einen mit dicken Eisenstangen abgeteilten kleinen Raum.                                                                                    Wenn nur dieses laute Gebell nicht gewesen wäre, so hätte ich wenigstens nach dieser abenteuerlichen Reise schlafen können. Doch dieses Bellen war klagend, traurig, gemischt durch Angst. Ein Aufschrei an die Menschen, die unserer Tierseele soviel Leid zugefügt haben. Abends ermüdeten auch diese Tierlaute und ich schlief ein. Aber kaum wurde es hell am Morgen, ging es schon wieder los. Nur mein kleiner Freund neben mir sah mich verängstigt an. Na du Großer, lässt du mich in Ruhe oder muss ich mich vor dir ängstigen? Anschließend durften wir durch den Hinterausgang ins Freie,  und da ging es erst richtig los. Jeder unserer Artgenossen wurde beschnüffelt und durch ein Schwanzwedeln zeigte man an, dass man sich freundlich gesinnt ist. Als unser Ausflug ins Freie vorbei war, gab es Futter und Wasser.
Die Tage vergingen und nachts, in meinen Hundeträumen, sah ich immer eine große Wiese, wo ich nach Herzenslust umhertollen konnte, und wo ich mich wohl fühlte. Auf einmal hektisches Treiben auf den Gängen, Leute waren gekommen und sahen uns mit großen Augen an und wechselten Worte wie: „Der ist zu groß“ und „Ach ist der süß“. Ich wusste nicht, was das bedeuten sollte. Vor meinem Zwinger stand plötzlich ein Mensch und ich hörte, wie dieser sagte:“Den nehm ich und sonst keinen anderen.“ Für mich war es eine angenehme Stimme, und sie gab mir auch Vertrauen. Ich dachte mir: „Endlich hat das Eingesperrtsein ein Ende“ Plötzlich öffnete sich meine kleine Tür in die Freiheit. Hände, die mich nach so langer Zeit streichelten. Bevor wir dieses Haus verließen wurden noch Formalitäten erledigt. Dann gings ab in ein neues Zuhause.

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Ich hatte dich lieb
Am Morgen bist du sehr früh aufgestanden und hast die Koffer gepackt. Du nahmst meine Leine, was war ich glücklich! Noch ein kleiner Spaziergang vor dem Urlaub – Hurra! Wir fuhren mit dem Wagen und du hast am Straßenrand gehalten. Die Tür ging auf und du hast einen Stock geworfen. Ich lief und lief bis ich den Stock gefunden und zwischen meinen Zähnen hatte, um ihn dir zu bringen. Als ich zurückkam warst du nicht mehr da! Ich Panik bin ich in alle Richtungen gelaufen um dich zu finden, aber ich wurde immer schwächer. Ich hatte große Angst und großen Hunger. Ein fremder Mann kam, legte mir ein Halsband um und nahm mich mit. Bald befand ich mich in einem Käfig und wartete dort auf deine Rückkehr. Aber du bist nicht gekommen. Dann wurde mein Käfig geöffnet. Nein, du warst es nicht, es war der Mann, der mich gefunden hatte. Er brachte mich in einen Raum – es roch nach Tod! Meine Stunde war gekommen.  Geliebtes Herrchen, ich will, dass du weißt, dass ich mich trotz allen Leides, das du mir angetan hast,  immer noch an dein Bild erinnere. Und falls ich noch einmal auf die Erde zurückkommen könnte, würde ich auf dich zulaufen, denn ICH HATTE DICH LIEB!
Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, solange müssen Tiere fühlen, dass Menschen NICHT DENKEN!

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Der kleine Adler lernt fliegen
Der kleine Adler hockte mit seinen Geschwistern im Nest. Das Nest klebte auf einer Felsspitze. Der Felsen war hoch und gefährlich. Adlern macht das nichts. Sie haben starke, breite Schwingen. Sie können fliegen, sich von der Luft tragen lassen, stundenlang. Der kleine Adler hatte noch nicht so große und starke Flügel. Er war noch jung. Er konnte noch gar nicht fliegen. Das Fliegen musste er erst noch lernen.
Er schaute über den Nestrand nach unten. Es war wirklich sehr tief. Junge Adler lernen das Fliegen von den Eltern.
„Versuch’s!“ forderte eines Tages die Adlermutter ihr Kind auf. „Ich trau mich nicht!“ „Ich werde dir helfen, wenn du nicht mehr kannst.“ „Ich hab aber Angst.“ „Wenn man etwas Neues lernt, hat man okft Angst, aber ich bin da. Ich helfe dir, wenn du mich brauchst.“ „Ich weiß nicht!“
Eines Tages traute er sich, er stand auf dem Nestrand, schaute zurück in sein warmes, weiches Kinderzimmer, dann aber hob er die Flügel hoch und sprang vom Nestrand hinunter. Er schlug mit den Flügeln, schrie ängstlich und dachte: „Ich stürze! Ich falle!“ Die Kräfte verließen ihn schon.
„Hilfe!“ schrie er, „Hilfe, ich kann nicht mehr!“ Er stand Todesangst aus. Aber genau in dem Augen blick, als er nach unten zu stürzen drohte, war die Adlermutter unter ihm. Mit seinen Krallen hielt sich der Kleine im Gefieder des großen Adlers fest, fühlte die Wärme der Federn und die Stärke der breiten Schwingen. Und die Adlermutter brachte ihr Junges vorsichtig und liebevoll in einem weiten Bogen ins Nest zurück.
Das machten sie auch am nächsten Tag so. Der kleine Adler wurde immer mutiger und flog immer weiter. Und immer, wenn ihn die Kräfte verließen, immer wenn er dachte: „Jetzt ist es aus mit mir, jetzt stürze ich in die Tiefe!“, dann war die Adlermutter da. Sie war genau unter ihm und fing ihn behutsam auf, um ihn heimzutragen ins Nest.
Und so kam es, dass der kleine, junge Ader keine Angst mehr hatte. Er wusste: „Mir kann gar nichts passieren! Ich muss gar keine Angst mehr haben! Ich kann ruhig losfliegen! Denn wenn es gefährlich wird, trägt mich die Adlermutter“. (Vielleicht war es auch manchmal der Vater, vielleicht haben sie sich abgewechselt.)

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